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  • AutorenbildNatascha Fouquet

Begegnungen jenseits des roten Teppichs

Aktualisiert: 30. Apr.

Wenn ich Enke Cäcilie Jansson in Ratekau besuche, hängt dort meist schon die Prominenz ab: Mick Jagger mit Rolling Stone-Buddy Keith Richards, Karl Lagerfeld - wie immer reichlich zugeknöpft. Helmut Schmidt gönnt sich eine Menthol-Zigarette und Pippi Langstrumpf lungert auf dem Rasen herum und raucht ‘nen Joint. Zu ihnen allen pflegt sie ein recht intimes Verhältnis – zumindest in ihrer Funktion als Künstlerin.

Magazin "Im Grünen" 7f.com/magazin


Am liebsten großformatig: Ihre Kunst müsse „Wumms“ haben, findet Enke Cäcilie Jansson.

Die Faszination für Gesichter habe sie schon während ihres Grafikdesign-Studiums entdeckt, sagt sie. Als sie „ganz artig und nach allen Regeln der Kunst“ das Porträtieren und das genaue Hinschauen lernte, erhielt sie ihr Handwerkszeug, um später vom klassischen Realismus zu ihrem eigenen expressiven Stil und vom kleinen ins große Format zu finden.

Ihre Malerei müsse „Wumms“ haben, findet sie. Geht es nach ihr, darf die Drei-Meter-Marke gerne gesprengt werden. Aus Größe und expressive Farbgebung ergibt sich dann der typisch Janssonsche Knalleffekt. Sie malte für Bühnen und für die Kultur, designte für Werbeagenturen, bevor sie sich der freien Kunst und dem Porträtieren verschrieb.


Gemalt wird, wer ihr Interesse weckt, oft sind es Persönlichkeiten aus dem Musik- und Showbiz. Auf ihre Motive stößt sie in den Archiven einer Agentur für Pressefotografie, wo sie vor allem nach den unbekannten Schnappschüssen gräbt: Helmut Schmidt beim Rasenmähen etwa oder Günter Grass beim Arbeiten an einer Skulptur. Wer es auf ihre Leinwand schafft, wird zunächst mit künstlerischem Auge seziert. „Ein Gesicht breitet sich vor mir aus wie eine Landkarte. Licht- und Schattenbereiche, Linien, Erhebungen und Vertiefungen erwandere ich visuell. Während der Umsetzung kristallisiert sich dann nach und nach das Charakteristische heraus."

 

„Ich mag Gesichter, die es mir nicht so leicht machen“

„Ich mag Gesichter, die es mir nicht so leicht machen."

Die kürzlich verstorbene Iris Apfel zum Beispiel, die finde ich stark“, meint Enke Cäcilie Jansson. Mit jugendlichen 79 Jahren wurde Apfel zur Modeikone. Ihr Markenzeichen: die extravaganten Brillen. „Fasziniert mich eine Person, tauche ich ein in ihre Identität. Manche widersetzen sich meinem Pinsel zunächst, wollen sich mir nicht erschließen. Dann wird es für mich erst richtig interessant, es fühlt sich an wie ein Werben um die Gunst der jeweiligen Person“, verrät die Künstlerin. So sei es ihr mit der britischen Modedesignerin Vivienne Westwood ergangen, ebenso mit Helmut Schmidt, „auch so ein starker, eigenwilliger Charakter, der sich erst widersetzte, bevor ich den Zugang fand." Und: „Jedes Gesicht ist schön. Während ich male, verliebe ich mich grundsätzlich.“

 


„In meinen frühen Porträts ging es darum, Farben möglichst effektvoll aufeinanderprallen zu lassen.“

Enke Cäcilie Jansson ist Künstlerin durch und durch und sie ist eine Meisterin im Jonglieren mit Farben. „In meinen frühen Porträts ging es darum, Farben möglichst reißerisch aufeinanderprallen zu lassen“, lacht sie. In dieser Hinsicht sei sie in den letzten zehn Jahren wesentlich ruhiger geworden. „Es geht mir nicht mehr darum, dem Aufmerksamkeit erregenden Effekt hinterherzulaufen, sondern mich von der Demut gegenüber dem Menschen und ihrem Gesicht leiten zu lassen.“ Ihre Farbgebung ist heute viel konzentrierter, souveräner, harmonischer. Sie schafft weichere Übergänge, vermeidet allzu harte Kontraste. Diese Entwicklung beeinflusste auch den Farbauftrag: Brachte sie früher Acrylfarbe mit kräftigem Pinselstrich, per Spachtel oder Fingern pastos auf den Bildträger auf, ist der Stil heute plakativer, weniger objekthaft.

 

Von Ratekau nach Malawi

 

Kunst kann mehr als Auge und Herz berühren. Kunst kann helfen, und zwar dort, wo es um das Lebensnotwendige geht! Sich für Benachteiligte in Deutschland einzusetzen, gehört für Enke Cäcilie seit Jahrzehnten dazu. 2022 hatte sie Gelegenheit, ein Projekt zu begleiten, das in den ärmsten Regionen Malawis den Bau von Schulen und Heimen für taubstumme Kinder und Jugendliche unterstützt. Mehrmals im Jahr ist sie vor Ort, um u. a. das Team der ehrenamtlichen Ärzte von Interplast Germany e. V. zu begleiten. Um selbst einen Beitrag leisten zu können, gründete sie 2023 die "Marietta Cäcilie Stiftung Hamburg Malawi"(www.mcstiftung.de) und illustrierte das von der ehemaligen ZDF-Redakteurin Marietta Westphal geschriebene Kinderbuch „Der Traumbaum“. Der Erlös aus dem Verkauf fließt zu 100 % nach Malawi. Sie rührt die Werbetrommel, schreibt Spendenanträge und kümmert sich darum, dass auch das nächste Projekt finanziert werden kann: Ein Hostel für 120 Mädchen, die die Secondary School besuchen; ein sinnvolles Projekt um Bildung zu ermöglichen, denn die meisten von ihnen haben einen mehrstündigen Schulweg. „Aus meinem Leben in Deutschland herauszutreten und den Blick dafür zu schärfen, was wirklich zählt, ist kostbar. Nicht das flüchtige Glück des Konsums trägt uns, sondern das Miteinander, die Tatsache, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Diese Erfahrung lässt mich anders auf mein Leben in Deutschland blicken.“


Bilder von Enke Cäcilie Jansson:

Mittlerweile hängen unzählige Auftragsarbeiten von Enke Cäcilie Jansson in Privathäusern. Ihre Großformate werden von Galerien im In- und Ausland vertreten. Wer an der Ostseeküste unterwegs ist, findet sie z. B. in der Galerie „Kunstwerkerin“ in Travemünde. In Braunschweig sind sie in der Galerie Jeschke zu sehen.

 

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