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  • AutorenbildNatascha Fouquet

Den Erdkräften auf der Spur

Aktualisiert: 14. Feb.

Hermann Hinsberger ist überzeugter Wahlföhrer, Yogalehrer, Fotograf - und Geomant. Die Insel erschließt er sich mithilfe von Wünschelrute, Pendel und viel Gespür für die Energien, die sich hier in besonderer Weise offenbaren.


Magazin "Im Grünen" 7f.com/magazin, Juni 2023.


Ist keine professionelle Wünschelrute zur Hand, kann Hermann Hinsberger Wasseradern bzw. Strahlungsfelder auch mit zwei einfachen verbundenen Ästen erspüren.

Oft ist es nur ein unbestimmtes Bauchgefühl, wenn wir einen Ort, ein Gebäude, ein Zimmer betreten und sofort wissen: Hier fühle ich mich wohl. Oder aber es stellt sich ohne offensichtlichen Grund ein regelrechter Fluchtinstinkt ein. Einer, der dafür eine Erklärung hat, ist Hermann Hinsberger, überzeugter Wahlföhrer, Yogalehrer, Fotograf und Geomant. „Geo-was?“, fragt mein Mann, als ich ihm von meinem Interview erzählte. Das Fragezeichen in Stimme und Gesicht kann ich ihm nicht verdenken, denn die alte Lehre ist nicht unbedingt Teil unseres Alltags-Knowhows. Um es mit den Worten des Buchautors und Geomanten Stefan Brönnle zu sagen: „Geomantie ist die Kunst, Lebensräume nach den Bedürfnissen der menschlichen Seele im Einklang mit der Kraft des Ortes zu gestalten.“ Bei ihm machte Hinsberger in den 80ern seine zweieinhalbjährige Ausbildung. Zuvor hatte er sich in einem Wochenendseminar zwar interessiert, aber noch skeptisch eine Wünschelrute gegriffen und „einen Mordsschreck bekommen als diese plötzlich heftig ausschlug.“ Seitdem hat es ihn gepackt, und er entdeckt seine Insel, auf die er als Zehnjähriger mit seinen Eltern kam, nun ganz neu - per Rute und Pendel.

„Über Föhr verläuft eine sehr starke, aus Osten kommende Energielinie, Föhrs „Herzlinie“, die auf der gesamten Insel zu spüren ist. Sie führt durch die alte Wikingerstadt Haithabu, über Ohland, dann mitten durch die Marienkirche in Drelsdorf und kommt im Hafen von Wyk auf Föhr heraus", sagt Hinsberger. Von hier aus konnte er sie durch die Boldixumer Kirche verfolgen und den alten Ringwall der Lembecksburg in Borgsum, in der Menschen schon im 9. Jahrhundert siedelten. Weiter, sagt er, führe sie durch die Süderender St. Laurentiikirche und setzt ihren Weg über die Nordsee in Richtung Nordschottlands Küste fort.

„Bei der Geomantie geht es nicht nur darum, die geistige und energetische Identität eines Ortes zu erfassen, sondern diese auch in der Architektur oder der Landschaftsplanung zu berücksichtigen.“

Von Ley-Linien und Kraftpunkten


Tatsächlich kreuzen sich vor allem in alten Kultstätten, in Kirchen oder wichtigen historischen Gebäuden diese Energie- oder Ley-Linien, die die Erde wie ein Netz umspannen und besondere Kraftpunkte miteinander verbinden. Zu den Orten, an denen starke Energien schwingen, zählen auch der schwarze Monolith in Mekka, Teotihuacan, die Götterstadt der Azteken, die Pyramiden von Gizeh und die Kathedrale Notre-Dame de Paris. Vom römischen Städtebauer Marcus Vitruvius Pollio sind in seinen "Zehn Bücher über Architektur" umfassende und detaillierte Schriften über die Bedeutung der Erdenergien und deren Beachtung beim Errichten von Städten und Tempel erhalten. Geschrieben hat er es zwischen 33 und 22 v. Chr.! Baumeister vergangener Zeiten ließen folglich geomantisches Wissen in ihre Arbeit einfließen. Und auch heute noch ziehen Architekt*innen einen Fachmann bzw. eine Fachfrau zu Rate, wenn es darum geht, Wasseradern und Energieströme zu lokalisieren, um das Haus entsprechend der Wirkkraft der Energien auszurichten. Die Kräfte der Erde sind zwar unsichtbar, doch können sie uns sowohl den Schlaf rauben als auch einen Energieschub verpassen.

„Ist Geomantie also die westliche Variante von Feng Shui?“ geht es mir durch den Kopf? Offenbar liege ich damit gar nicht mal so falsch. Im Feng Shui soll die Gestaltung von Räumen, Häusern und Gärten durch Farben, Formen und Materialien und die gezielte Platzierung des die Lebensenergie Chi zum Fließen bringen, lese ich. Doch wo die daoistische Harmonielehre die fünf Elementen Holz, Wasser, Feuer, Metall und Erde in die Gestaltung berücksichtigt, beruft sich die Geomantie mit Feuer, Wasser, Erde und Luft auf nur vier. Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, will mir Herrmann Hinsberger an einem Beispiel zeigen. Dafür radeln wir mitten hinein ins Wohngebiet der Inselhauptstadt Wyk, unser Ziel: der „Park an der Mühle“, den er 2005 im Auftrag der Stadt gestaltete.


In diesem blühenden, blätterrauschenden, plätschernden und summenden Refugium mit seinen organischen Formen herrscht ein ganz besonderer Spirit.



Der Park an der Mühle besitzt eine magische Anziehungskraft. Auf subtile Weise bringt er etwas in uns zum Klingen.

Dort, wo die von Mehrfamilienhäusern gesäumte Feld-, Friedrich- und Mühlenstraße ein Karree bilden, öffnet sich unvermittelt eine Lücke, die den Blick aufs Grün freigibt. Tritt man durch die schmiedeeiserne Pforte, dürften selbst allzu rationale Gemüter darüber staunen, welch besonderer Spirit in diesem blühenden, blätterrauschenden, plätschernden, summenden Refugium herrscht. An einem Ort wie diesem lässt man sich nur zu gerne nieder. Er besitzt eine magische Anziehungskraft, was die Zahl der Besucher jeden Alters bestätigt, die hier täglich vorbeischauen. Nicht, weil der Reiseführer es empfiehlt, sondern weil er auf subtile Weise etwas in uns zum Klingen bringt. Meist sind es Einheimische, die sich auf einen Plausch treffen, am kleinen Teich der Morgen- oder Abendstimmung lauschen oder durch das Objektiv den vielen kleinen Dingen auf der Spur sind, die sich im hohen Gras, unter den alten Bäumen oder in lauschigen Ecken verstecken. Die Wege mäandern in geschwungenen, spiralförmig angelegten Pfaden, runde Formen wiederholen sich in Buchsbäumen und Steinelementen. Alles scheint organisch ineinander zu fließen, atmet Harmonie und Ruhe. Der quirlige Alltag ist vor dem Tor zurückgeblieben, die Sinnesantennen stehen auf Empfang.



“Bei der Geomantie geht es nicht nur darum, die geistige und energetische Identität eines Ortes zu erfassen, sondern diese auch in der Architektur und der Landschaftsplanung zu berücksichtigen“, erklärt Hermann Hinsberger. Den „Park an der Mühle“ habe er entlang einer Sichtachse gestaltet, die quer durch das Gelände führt. Auf dieser liegen sieben Punkte, die den sieben Chakren bzw. Energiezentren des menschlichen Körpers entsprechen und gleichzeitig das Leben von der Geburt bis zu seinem physischen Ende darstellen.


Ein leises Plätschern geleitet uns zu einem Quellstein, der sich im hohen Gras verbirgt. „Die Quelle des Lebens, die Geburt, entspricht dem Basis-Chakra“, erläutert der Geomant. Die jeweilige Farbe, die dem Chakra traditionell zugeordnet ist, wird jeweils von den umliegenden Pflanzen aufgenommen. Das steinerne Gesicht eines Fauns, aus dessen Haupt Blätter wachsen, entdecke ich nur wenige Schritte entfernt. Er wurde zum Synonym für das Sakral-Chakra, das sich etwa fünf Zentimeter unter dem Nabel befindet. In ihm wohnen Intimität, Kreativität, Selbstakzeptanz und auch das sexuelle Verlangen. Und so bildet das Faungesicht den obersten Punkt eines mit Wasser gefüllten Ovals, das an eine Vulva erinnert.


Im Prinzip verfügen wir alle über diese Fähigkeiten. Wir haben es nur verlernt, mit den feinstofflichen Energien der Natur zu kommunizieren.

Die imaginäre Achse läuft weiter auf die historische Mühle zu. Unter den hölzernen Flügeln ist der Schriftzug „Venti Amica“ verewigt, Freundin des Windes. Wie poetisch, denke ich, und poetisch ist auch die Metaphorik unseres nächsten Stopps: Ein steinerner Brunnen, der für das Herz-Chakra steht. Ihn ziert eine Kugel - auch hier wieder die runde Formgebung. Eckige Formen, klärt Hinsberger mich auf, sprechen den Intellekt an, runde hingegen die Seele. Die vier Wasserausläufe zeigen jeder in eine Himmelsrichtung und versinnbildlichen das Aderngeflecht, durch das unser Lebenssaft fließt. Für das sechste Chakra, das „dritte Auge“, hat der Geomant einen historischen Taufstein aus der Provence auf die Insel bringen lassen. Beugt man sich über ihn, erblickt man in dem ruhigen Wasserspiegel zunächst das eigene Gesicht. Senkt sich der Blick unter die Oberfläche, fällt er auf den Beckengrund und erreicht im übertragenen Sinn den Grund der eigenen Seele.




Vor und während der Entstehung des Parks kamen Wünschelrute und Pendel zum Einsatz. Bei der Planung ließ er sich vor allem von seinem Gefühl leiten. „Ich lasse den Ort auf mich wirken und schaue, was er mir erzählt“, erklärt Hermann Hinsberger. Das sei kein Hexenwerk. Im Prinzip verfüge jede*r über diese Fähigkeiten, wir haben es nur verlernt, mit den feinstofflichen Strukturen der Natur zu kommunizieren. "Wenn wir vom Denken zurück ins ins Spüren kommen und die Verbindung zu unseren Fähigkeiten wieder herstellen, dann ist alles da. Wir brauchen es nur wachzuküssen!“



Radiästhesie nennt sich die Technik, mittels Wünschelrute oder Pendel unsichtbare Energiephänomene wahrzunehmen. Der Solarplexus ist Hermann Hinsbergers Seismograf. Hier spürt er meist parallel zum Ausschlagen der Rute, ob sich in der Nähe Wasseradern oder geologische Verwerfungen befinden.


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